Meder Lokfahrschule Krefeld · Tönisvorst · Travemünde

Mehr als ein halbes Jahrhundert stand ich im aktiven Berufsleben; war einst als Reproduktionsphotograph, Soldat bei der Luftwaffe, als Anwendungstechniker für den größten Chemiekonzern der Welt tätig, bevor ich in die erste Selbständigkeit und Nachfolge meiner Eltern als Buch-, Offset- und Siebdrucker überging. Das Unmögliche möglich zu machen, höchste Qualität anzustreben, Korrektheit, Zuverlässigkeit, absolute Kundenzufriedenheit und ein menschlicher Chef zu sein, das war von Anfang an mein Credo. So war dies mein erstes, überaus erfülltes Berufsleben als stolzer Jünger der Schwarzen Kunst.

Meine Liebe zur Straßen- und Eisenbahn ließ mich aus dem einstigen Modelleisenbahner unter der Federführung des letzten Reichsbahnoberdirektors Dipl.-Ing. Heinz Schnabel und der altehrwürdigen, renommierten Reichsbahn-Lokfahrschule zu Güstrow zum Eisenbahner werden. Mit der Dampflok fing es an. Nach einem Intermezzo als Vertriebsmitarbeiter für Fernsehkameraobjektive eines führenden japanischen Fotokonzerns bin ich dann komplett beruflich zur Eisenbahn gewechselt. Vom Museums- und Personenverkehr in den Anfängen wechselte ich in den schweren Bauzug- und Güterzugdienst. Von der Dampflok über diverseste Diesellokomotiven und Elektroloks bis hin zum geliebten Taurus BR 183 habe ich deutschlandweit Fahrzeuge und Züge fahren dürfen, von denen so manch kleiner Junge jahrzehntelang geträumt hat. Ich war bereit, höchste Verantwortung zu übernehmen, mir anvertraute Millionenwerte und hochgefährliches Frachtgut durch unser Land sicher, pünktlich und zuverlässig zu transportieren. Bei all diesen unzähligen Einsätzen habe ich fast jeden Winkel unseres schönen Landes erleben und genießen und dabei auch unzählige Menschen kennenlernen dürfen.

Nach Realschule, Fachabitur und Universitätsstudium habe ich dann als erfolgreicher Diplom-Ingenieur aus meinem Hobby eine zweite, neue Existenz aufgebaut; besuchte von mir selbstbezahlte unzählige Lehrgänge und Schulungen; wurde schlussendlich zertifizierter Ausbilder und Prüfer und fand schnell bei Fachleuten die mir gebührende Anerkennung und Wertschätzung, konnte den Makel des Hobby- bzw. Museumseisenbahner ablegen.

Auch als Eisenbahner bin ich mit Herzblut und größtmöglichem Verantwortungsbewusstsein an die sich mir gestellten Aufgaben herangegangen. Als Hobbyeisenbahner wurde ich oft belächelt, als selbständiger, staatlich anerkannter und zertifizierter Ausbilder und Prüfer habe ich mir höchsten Respekt erarbeitet; Menschen die mich einst belächelten, rangen um Fassung, als sie begreifen mussten, dass hier plötzlich vor ihnen eine Person stand, an der man fachlich und menschlich nicht mehr so ohne Weiteres vorbeikommt. Sicherheit, Pünktlichkeit, unabdingbare Zuverlässigkeit und bedingungslose Akzeptanz der Regelwerke, auch wenn diese in vielen Details fragwürdig oder auch fachlich widersprüchlich oder schlichtweg unsinnig sind, waren und bleiben für mich schon seit meinen Bundeswehrzeiten mit persönlich höchster Sicherheitseinstufung unabdingbare Standards und Maxime.

Standing Ovations alteingesessener Fachkollegen, mit meiner Lokführerschule national beispielhaft geworden zu sein, wie auch die Tatsache, als einst Außenstehender selbst sogar Messfahrzeuge/-züge der Deutschen Bahn AG fahren zu dürfen, erfüllen mich mit Stolz und großer Dankbarkeit.

Aber ich bin auch dankbar dafür, dass ich im Geiste und der Tradition der schon erwähnten Lokfahrschule Güstrow mein mir erworbenes Wissen an über 200 Menschen weitergeben durfte und ihnen damit eine in der Branche geschätzte und anerkannte solide Grundlage für eine neue berufliche Existenz schaffen konnte. Meine Erfahrungen als Anwendungstechniker und Ausbilder aus meinem vorherigen Berufsleben in der Druckereibranche haben mir hierbei beste Dienste geleistet, waren wertvoll und hilfreich.

Und ich bin dankbar dafür, in einer Zeit habe leben und wirken zu dürfen, in der zumindest in Mitteleuropa Frieden herrschte. Die Nachwirkungen des von Deutschland auf unentschuldbare, verbrecherische Weise entfachten 2. Weltkrieges habe ich in meiner Jugend und in den ersten Berufsjahren erleben müssen. Bleibt mir jetzt zu hoffen, dass die künftigen Generationen es leisten können und werden, in Frieden, Freundschaft und Harmonie weltweit leben zu können und unserem Heimatplaneten eine lebenswerte Natur und Umwelt zu belassen.

In 51 Berufsjahren habe ich sehr, sehr viel an Lebenserfahrung und Wissen anhäufen, habe viele und interessante Menschen und Mitstreiter erleben und kennenlernen können. Dafür bin ich aufrichtig dankbar. Aber das irdische Leben kennt nicht nur die Sonnenseiten. So habe ich leider auch erleben müssen, dass total unfähige Administrationen mit einem irrsinnigen Wust an sinnloser, überzogener und unnötiger Bürokratie, Zertifizierungswahn, oftmals gepaart mit Amtsanmaßungen, Ignoranz, fachlicher Inkompetenz, Dummheit, Willkür und Selbstherrlichkeit Menschen auf oftmals unerträgliche Art die Motivation, den Antrieb und den Mut nehmen, Gutes und Sinnvolles zu tun, zu schaffen, aufzubauen. Ich habe lernen müssen, dass Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Rücksichtnahme und menschliche wie fachliche Kompetenz in unserer heutigen Gesellschaft geprägt von unzähligen Ignoranten, Selbstdarstellern und Kriminellen keine Existenzberechtigung mehr haben. Galt bei meinem Großvater noch der Handschlag des Kaufmanns, ist es heute überlebenswichtig, neben seiner beruflichen Ausbildung noch ein Jurastudium zu absolvieren, um im alltäglichen „Haifischbecken“ bestehen und überleben zu können. Ich habe erfahren müssen, dass es in unserem Land nicht eine, sondern mindestens zwei Gesellschaften, die sogenannten Parallelgesellschaften gibt. Die erste ist dem Recht und Gesetz unseres Landes verpflichtet. Und das ist auch gut und richtig so! Die zweite aber führt seit über 100 Jahren in Deutschland ein Eigenleben und hat sich weit über Recht und Gesetze gestellt und schützt sich durch eigene, von außen nicht reglementierbare Regeln. Und dies lähmt unser Land, unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben. Nicht alles was der „alte Fritz“ und das Preußentum hervorgebracht haben, ist ein Segen für unser Land und die Welt in der wir leben. Es wäre aber aus meiner Sicht an dieser Stelle vermessen zu behaupten, dass dies in der alleinigen Hand unserer Politik/Volksvertreter liegen würde; nein, wir als Volk, als Nation müssten hier das Korrektiv sein. Nicht wie die kleine Kassiererin, der kleine Bürger, bei denen auch nur die kleinste Verfehlung gemaßregelt wird; bleiben doch die Verantwortung tragenden Herrschaften in Verwaltung und Politik verschont, wenn sie die Normen von Anstand und Gesetz nicht einhalten, wenn sie durch Willkür, Wegsehen, Unwissen, fachlicher Inkompetenz, Starrsinn, Untätigkeit und Unvernunft Dritten Schaden zufügen. Mir hat diese zweite Gesellschaft etliche 100.000 Euro Schaden zugefügt ohne dafür in die Verantwortung genommen werden zu können.

Vor einem Jahr habe ich das Rentenalter erreicht und scheide aus dem bisherigen Berufsleben, aus dem Tollhaus bestehend aus Paragraphen, Zertifizierungsirrsinn, Beamtenwillkür und -ignoranz aus. Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit und unnötigem Ärger, der ständigen Auseinandersetzung mit selbstherrlichen und selbstgefälligen Schnürsenkelbüglern, sondern es ist jetzt an der Zeit, mit Hund und Familie Muße zu haben für die schönen und angenehmen Dinge des Lebens; Seele, Geist und Gesundheit endlich zu schonen und zu erholen. Wir Deutschen sind in preußischem Gehorsam dazu erzogen worden, für das Leben zu arbeiten. Das unterscheidet uns von unseren französischen Nachbarn. Wenn Gott gewollt hätte, dass das Arbeiten an erster Stelle steht, wären wir Roboter und keine Menschen mit Herz, Gefühl und Verantwortungsbewusstsein geworden. Ich habe gearbeitet, nicht um mich zu bereichern oder Reichtum anzuhäufen, sondern um etwas zu bewegen, um anderen Mitmenschen zu helfen, habe mich stets bemüht dabei korrekt und gerecht zu sein. Ob es mir gelungen ist, wäre vermessen selbst zu beurteilen. Aber ich gebe gerne zu, dass es schön ist, wenn man ab und an unaufgefordert den Dank und die Anerkennung der Menschen erfahren darf, die ich in ihrem Leben und/oder auf ihrem Lebensweg habe ein Stück weit begleiten dürfen. Es gab viele sehr schöne und fruchtbare Begegnungen und Gespräche, habe an vielen Stellen auch und sogar in den Verwaltungen Ansprechpartner:innen antreffen können, mit denen ich gerne und im Sinne der Sache und Aufgabe habe auf Augenhöhe und in freundschaftlicher Atmosphäre Dinge bewegen und vorantreiben können. Daran erinnere ich mich ebenfalls mit großer Dankbarkeit sehr gerne.

Danke nochmals an dieser Stelle an Diejenigen, die mir ihr Vertrauen, ihre Sympathie und ihre Freundschaft schenkten. Ich hoffe darauf, dass Anstand, menschliche und fachliche Kompetenz am Ende in unserem so schönen Land wieder die Oberhand gewinnen werden.

51 Jahre erfülltes Arbeitsleben sind genug; mit Ablauf des 13. Mai 2022 ist die Meder Lokfahrschule wie auch einst die Meder Druckerei Geschichte. Den Kolleginnen und Kollegen, welche ich zu Triebfahrzeugführer:innen habe ausbilden dürfen, wünsche ich neben der weiteren unfallfreien Fahrt eine gesicherte Zukunft, privates Glück und vor allem Gesundheit. Und nicht zuletzt wünsche ich meinen Mitarbeitern alles Gute auf ihrem weiteren Lebensweg und ihnen gilt mein ganz besonderer, aufrichtiger Dank für ihren bisherigen Einsatz, ihre Loyalität und Treue.

Dipl.-Ing. Martin J. Meder

Datenschutzerklärung © 2016-22 Meder Lokfahrschle Krefeld Sitemap